Transparenz oder das Spiel mit dem Untergrund

Transparenz oder das Spiel mit dem Untergrund


Die Alten Meister kannten viele Tricks um die größtmögliche Wirkung aus ihren Bildern zu holen. Einer davon war, den farbigen Untergrund nicht komplett zu überdecken. Dabei werden die Schattenbereiche im Bild sehr transparent gemalt, stellenweise auch weggelassen, nur in Teilen gemalt oder ausgekratzt. In diesen Stellen kann man tief ins Bild und damit in den Aufbau blicken.

Die hellen Bereiche werden dagegen eher deckend gemalt. Hier sieht man nichts mehr vom Untergrund oder dem Bildaufbau.

In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts war diese Art zu malen sehr verbreitet. Man sieht es gut bei den großen Malern dieser Zeit wie Rembrandt, Caravaggio, Rubens, van Dyck. Aber auch Maler späterer Epochen, die sich an den Alten Meistern orientierten, bedienten sich dieser Malweise. Dazu zählen u.a., Caspar David Friedrich und Arnold Böcklin.



Rembrandt van Rijn:

An dem Beispiel von Rembrandts Selbstportrait sieht man an den markierten Stellen den Untergrund durch. Rembrandt benutzte ockerfarbene Grundierungen. Hier scheint es, als hat der ockerfarbenen Malgrund einen etwas rot-bräunlich Ton. Man sieht diese Farbe auch in weiteren seiner Bilder dieser Zeit.



In den dunklen Bereichen, wo man heute Blau in die Farbe mischen würde um einen kalten und realistischeren Ton zu erzeugen, ist die Farbe nur dünn gemalt oder ganz ausgespart worden. Es wird nicht gemalt, wie man es heute typischerweise macht, sondern es wurde einfach weggelassen. Diese Bereiche leuchten in warmen Tönen und erzeugen den altmeistertypischen Look sowie ein Leuchten in den Werken, die heute noch immer faszinieren.

Man findet diesen Farbton der Grundierung in fast jeder Stelle dieses Bildausschnittes. Sehr stark ist er an den Übergangsbereichen von heller Hautfarbe zu den schattigen Bereichen, in den Haaren, in der Wange und auch am Kagen zu sehen.



Peter Paul Rubens:

Dieses Werk von Rubens wurde wohl nicht zum Verkauf gemalt und diente wahrscheinlich als Anschauungs- und Lehrobjekt in seiner Werkstatt. Rubens baute seine Werke meist auf einer grauen Grundierung auf. Darauf wurde ockerfarben die Untermalung ausgeführt und danach die Farbe.


An diesem Lehrbild sieht man wieder schön die Wirkung, die man durch Transparenz erreichen kann.


Beim Jungen sieht man diese Ockerfarbe wieder sehr stark in den Haaren durchkommen sowie an Ohr und Wange.

In der Kleidung der Alten Frau ist dieser Ton auch vertreten. Hier sieht es aus, als wenn er durch wegkratzen der Farbe, wie man es z.B. gut mit einem Borstenpinsel machen kann, hervortritt.


Beim Gesicht selbst sieht man es am besten an der Stirn und ein klein wenig noch auf der Wange. Die Ohren sowie die Kopfbedeckung bestehen dagegen von ihrer Plastizität her fast ausschließlich aus Auskratzungen. Die Grundfarbe der Kopfbedeckung wurde aufgetragen, dann etwas dunklere Farbe. Anschließend kratzt man mit einem Borstenpinsel die Farbe weg, legt den helleren Untergrund frei und erzeugt so die plastische Wirkung.



Michelangelo Merisi da Caravaggio:

Bei Caravaggio sieht man in diesem Frühwerk schön, dass der gesamte Schattenbereich sowie die Haare aus der Farbe der Grundierung besteht und nur mit etwas Braun und Schwarz dezent abgedunkelt wurde. Grundfarbe war hier wohl ein schon eher brauner Ockerton.


Während es bei Rembrandt und Rubens keine großen Veränderungen in der Grundierungsfarbe gibt, experimentierte Caravaggio mit verschiedenen Farbtönen und Helligkeiten. Sehr häufig verwendete er rötlich-braune Gründe aber auch leicht grün oder graue Grundierungen. Im Laufe seine Schaffens wurden die Malgründe aber zunehmend dunkler und die feine Malart zugunsten von starken Kontrasten zurückgefahren.



Diese Art, den Untergrund bzw. die Farbe der Grundierung einzusetzen, findet sich bei weiteren, zahlreichen Malern. Wer beim nächsten Museumsbesuch die Augen danach aufhält, wird sich wundern, wie viele Alte Meister damit arbeiteten und welche Effekte damit erzielt werden können.

Comments 1

  • Hallo Thorsten,

    vielen Dank in der Nachhilfe in der Kunstgeschicht. Ich muss sagen mit sowas habe ich mich nie beschäfftigt. Dabei ist es sehr interessant. Es ist eben auch eine Frage wie ich einen Sachverhalt darlege. Meistens bekommt man ein Buch und ist von der Fülle der Informationen erschlagen. Man schaut rein, klappt es zu und es verschwindet im Bücheregal.